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Dem Geist Raum geben

 

Die Kapelle der Katholischen Akademie Freiburg

 

Wer die Kapelle der Katholischen Akademie betritt, befindet sich unversehens in einer Gegenwelt: Die uns täglich überschwemmende Bilderflut wird hier nicht zu finden sein; Hektik und Zerstreuung treten zurück, um die Gedanken auf das Wesentliche hin zu öffnen.

 

Neugestaltung

Auf dem Weg zur Neugestaltung der Kapelle fand im Herbst 1999 eine Tagung eigens zu dem Thema »Gestaltung sakraler Räume« statt, um gemeinsam mit Theologen, Architekten und Künstlern ein neues Konzept zu entwerfen. Bis auf wenige Details verdankt sich der neue Raum den dort erarbeiteten Ergebnissen und konnte im Folgejahr, am 29. Oktober 2000, von Weihbischof Dr. Paul Wehrle eingeweiht werden.

 

 

 

 

Raumgestaltung und -ausstattung

Ziel der Gestaltung war es, einen in seiner Schlichtheit aussagekräftigen Raum zu schaffen, der einerseits die Mahl- und Gebetsgemeinschaft als kommunikatives Geschehen ermöglichen sollte. Andererseits wollte man ebenso die Besuchenden einladen, zum persönlichen Gebet, zur Ruhe und zu sich selbst zu kommen, ohne dass spektakuläre Formen von den eigentlichen Inhalten ablenken.

 

Bereits der ansteigende Weg zum Innern der Kapelle entspricht diesem Konzept: Er lässt die Andersheit dieses Raumes, der sich genau im Zentrum des gesamten Gebäude-komplexes befindet, anklingen und befähigt zur inneren Sammlung. Auch der offene Eingangsbereich – keine schwere Pforte, die abschirmt und trennt – will hierzu eine Einladung sein. Dass der »Raum der Stille« zugleich mitten in der Welt steht und sich in seiner Öffnung nach außen niemandem verschließt, zeigt auch die Platzierung des Tabernakels an. Er durchbricht die Wand zwischen »innen« und »außen« und schafft, zumal er von beiden Seiten wahr zu nehmen ist, eine spürbare Durchlässigkeit.

 

Im Raum selbst ist die bunte Glaswand von Rainer Dorwarth als Teil der vorherigen Kapelle erhalten geblieben. Die übrige Ausstattung ist bewusst auf das Wesentliche reduziert und bildet zu der Fensterfront einen Kontrast in ihrer konzentrierten Schlichtheit. Zugleich jedoch gewinnt der Raum an Leben, wenn das Licht ins Innere fällt und bunte Muster an die Wände wirft.

Die ellipsenförmige Anordnung in der Kapelle verdeutlicht das liturgische Geschehen, das sich zwischen dem Altar des Wortes und dem des Mahles abspielt. Dabei bilden Altar und Ambo die beiden Pole, während die einfache kubische Bestuhlung bzw. die Mitfeiernden selbst diese verbinden und so ein gemeinsames dialogisches Handeln im Gottesdienst entstehen kann. Der Bildhauer Alois Landmann hat die Ausstattung in minimalistischer Klarheit mit den beiden Materialien Holz und Stein geschaffen und bis auf den Altar keines der Elemente fixiert, so dass eine variable Raum-gestaltung möglich wird. Die Schräge gegenüber der Glaswand unterstreicht noch diese Dynamik und Leichtigkeit.

 

Mit ihrer postmodernen Sprache kann die Kapelle auch das Symbol des Kreuzes neu erfahrbar werden lassen. Es ist nicht zentral angeordnet, und doch auf eine unaufdringliche Weise stets präsent. Eine an der Wand gelehnte Holzscheibe birgt in ihrer Mitte das ausgeschnittene Kreuz – trotz seiner Verborgenheit wird es auf diese Weise die innerste Mitte von allem.

Auch auf dem Altar liegt ein Silberkreuz, das sich in gleicher Form in den Gästezimmern wiederfindet. Selbst darin wird der Auftrag, den die Akademie als den ihren ansieht, deutlich und wahrnehmbar: auf der Grundlage des Evangeliums die Welt in Verantwortung mitzugestalten und die befreiende Botschaft vom menschgewordenen Gott zu Gehör zu bringen.

 

 

Gestaltung

Alois Landmann, Merdingen

Erzb. Bauamt Freiburg

Anton Bauhofer (Erzb. Baudirektor)

Eberhard Wittekind (Erzb. Bauoberamtsrat)

 

Bild

Christoph Hoppe, Bild- und Filmstelle der Erzdiözese Freiburg


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